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zu Guttenberg – Plagiat: Ein Urteil

Dienstag, 22. Februar 2011

Vielleicht nur eine  Posse (mitsamt der Umstände seines geschönten Lebenslaufs und eines nicht vorhandenen Zweiten Staatsexamens) oder doch eine schwerwiegende Verfehlung? Ein Urteil hierüber sollte sich der geneigte Leser erst dann erlauben, wenn eine Entscheidung über die Entziehung des Doktorgrades seitens der Uni Bayreuth gefallen ist. Denn nur die Uni Bayreuth kann über den verliehenen Doktortitel verfügen. Es ist auch unerheblich, warum Herr zu Guttenberg diese Doktorarbeit so geschrieben hat oder hat schreiben lassen, wie sie nunmehr vorliegt und zu Genüge zerpflückt worden ist. Eines ist eindeutig: Sollten sich die Plagiatsvorwürfe tatsächlich in dem vermuteten Umfang bestätigen, so muss der Doktorgrad entzogen werden. Dieser Tatsache ist sich Herr zu Guttenberg offensichtlich auch bewusst, wenn er kürzlich um die Aberkennung seines Doktortitels gebeten hat.

Zitieren möchte ich in diesem Zusammenhang VGH Mannheim: Beschluss vom 13.10.2008 – 9 S 494/08:

Die nicht gekennzeichnete Übernahme kompletter Passagen aus dem Werk eines anderen Autors in einer Dissertation beinhaltet eine Täuschung über die Eigenständigkeit der erbrachten wissenschaftlichen Leistung. Sofern sie planmäßig und nicht nur vereinzelt erfolgt, kann sie die Hochschule zur Entziehung des verliehenen Doktorgrades berechtigen.

Weiterhin wird in anderen Urteilen von wissenschaftlicher Unlauterkeit oder Unwürdigkeit gesprochen. Ein Abschreiben ohne Quellennachweis ist neben den etwaigen urheberrechtlichen und strafrechtlichen Gesichtspunkten als unlauter zu bezeichnen, da es gegenüber wissenschaftlich arbeitenden Doktoranden einen nicht unerheblichen Verstoß gegen die Chancengleichheit bedeutet. Wer selbst denkt und diese Gedanken veröffentlicht, wird an seinen Gedanken gemessen. Wer andere Gedanken abschreibt und sie als eigene ausgibt, lässt nur ein Urteil über die Gedanken anderer zu. Eine Bewertung einer eigenen wissenschaftlichen Leistung ist so nicht möglich. Die Aberkennung des Doktorgrades ist somit folgerichtig und zwingend. Richtig ist auch, dass eine solche Aberkennung die Person zu Guttenberg nicht verändert, sondern nur sein Ansehen in der Öffentlichkeit. Die Bedeutung der Vorwürfe und die daraus resultierenden Konsequenzen gilt es ab jetzt zu bewerten. Jeder mag für sich entscheiden, ob die Vorgänge Herrn zu Guttenberg auch in seiner Funktion als Verteidigungsminister respektive Politiker geschadet haben. Dabei bedenken sollte aber jeder, dass Herr zu Guttenberg auch nur ein Doktorand oder Prüfling wie jeder andere ist. Damit ist er auch ein Mensch wie jeder andere, der ein Recht darauf hat Fehler zu machen.

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