Prüfungsanfechtung

Voraussetzungen und Verfahren einer Prüfungsanfechtung.

Ablauf einer Prüfungsanfechtung

Die nachfolgende Beschreibung gilt vornehmlich für Prüfungsanfechtungen eines Ersten oder Zweiten Juristischen Staatsexamens. Prüfungsanfechtungen in anderen Studienfächern laufen allerdings häufig sehr ähnlich ab.

Wenn Sie sich nach unserer Einschätzung für eine Prüfungsanfechtung entschieden haben und uns die entsprechenden Unterlagen haben zukommen lassen, läuft eine Prüfungsanfechtung regelmäßig folgendermaßen ab:

1. Widerspruch einlegen und Akte anfordern

Zunächst ist von übergeordneter Bedeutung, dass fristwahrend Widespruch gegen den Prüfungsbescheid eingelegt wird. Regelmäßig wird mit Einlegung des Widerspruchs Akteneinsicht beantragt.

Die Zusendung der Akte dauert in der Regel 7-10 Arbeitstage.

2. Begutachtung der Prüfungsleistung

Nach Übersendung der Klausuren in die Kanzlei, wird mit der Begutachtung der Klausuren oder anderer Prüfungsleistung begonnen. Die Auswahl der zu begutachtenden Klausuren sollte bei den schriftlichen Prüfungsleistungen eines juristischen Staatsexamens im Vorfeld abgesproch werden. Grundsätzlich werden allerdings alle Klausuren zumindest gesichtet. Diese Sichtung ist wichtig, da auch in nicht relevanten Klausuren eklatante Bewertung- oder Verfahrensfehler vorkommen können. Diese Sichtung der nicht relevanten Klausuren wird nicht berechnet, sondern nur die schriftliche Begutachtung der einzelnen Klausuren.

Die Begutachtung von ca. 4 Klausuren dauert ungefähr 5 Arbeitstage.

3. Übersendung der Kurzeinschätzung an Mandant/in

Die Kurzeinschätzungen schicken wir Ihnen per E-Mail (bei Bedarf per Post). Wir bitten Sie, sich deren Inhalt und die sich anschließende Empfehlung von uns durchzulesen. Diese Empfehlung – entweder JA oder NEIN zur Prüfungsanfechtung – ist selbstverständlich nicht verbindlich. Sie haben dann die Möglichkeit anhand unserer Einschätzung eine Entscheidung zu treffen, ob Sie eine Prüfungsanfechtung durchführen wollen oder nicht.

Wenn Sie sich innerhalb von drei Arbeitstagen nicht auf unsere Einschätzung hin gemeldet haben, würden wir höflich bei Ihnen nachhaken; dies nicht, um Sie unter Druck zu setzen! Vielmehr möchten wir in Ihrem Interesse das Verfahren beschleunigen.

4. Prüfungsanfechtung JA oder NEIN

Wenn Sie sich gegen eine Prüfungsanfechtung entscheiden, ist das Verfahren damit beendet. Wir nehmen den eingelegten Widerspruch zurück und berechnen die Kosten der Begutachtung – mehr zu den Kosten.

Wenn Sie sich für eine Prüfungsanfechtung entscheiden, wählen wir gemeinsam diejenige Leistung aus, die wir für die Prüfungsanfechtung begründen. Danach schicken wir Ihnen eine Honorarvereinbarung (mehr zu den Kosten), von der Sie uns bitte ein Exemplar unterschrieben zurückschicken. Nach Erhalt der Honorarvereinbarung beginnen wir mit der Begründung des Widerspruchs an. In dringenden Fällen können wir natürlich auch umgehend für Sie tätig werden.

Da Zeitdruck im Bereich der Prüfungsanfechtung kontraproduktiv wirkt, werden wir bei Bedarf die Frist zur Widerspruchsbegründung verlängern.

5. Übersendung der Widerspruchsbegründung an Mandant/in

Nach Fertigstellung der Widerspruchsbegründung schicken wir Ihnen – bevorzugt per E-Mail – einen Entwurf der jeweiligen Begründungen. Mit der Übersendung dieser Widerspruchsbegründung, fordern wir Sie auf, eventuelle Änderungen und Ergänzungswünsche zu äußern.

Fünf Arbeitstage nach Überlassung des Entwurfes würden wir bei Ihnen nachfragen, ob Sie schon Zeit gefunden haben, die Widerspruchsbegründung zu lesen.

6. Endkorrektur und Versendung an das Prüfungsamt

Wenn Sie mit dem Entwurf einverstanden sind, erfolgt eine Endkorrektur und Kontrolle. Danach verschicke ich die Widerspruchsbegründung.

7. Warten

Sie müssen mit vier bis zwöf Wochen rechnen (Tendenz eher zwölf als vier Wochen), die das Prüfungsamt benötigt, um den Widerspruch zu bearbeiten. Hierzu verschickt das Prüfungsamt im Rahmen des sogenannten Überdenkungsverfahrens die jeweiligen Widerspruchsbegründungen an die entsprechenden Prüfer. Diese überdenken anhand der Einwendungen aus der Widerspruchsbegründung ihre Bewertung und erstellen eine Stellungnahme. Führt das Überdenken zu dem Ergebnis, dass die ursprüngliche Prüfungsbewertung fehlerhaft erfolgt ist, setzt der Prüfer die Benotung hoch oder hebt die Bewertung auf. Wenn er an seiner ersten Bewertung festhält, begründet er dies in der Stellungnahme und übersendet diese an das Prüfungsamt. Es kommt vor, dass sich der Prüfungsausschuss oder das Prüfungsamt ebenfalls intensiv mit dem Widerspruch auseinandersetzt. Dies führt natürlich zu einer Verlängerung der Wartezeit, hat aber auch positive Aspekte, da sich dann ein unabhängiger Dritter mit dem Vorgang befasst. Es kann aber auch sein, dass sich das Prüfungsamt in seinem Widerspruchsbescheid lediglich auf die Stellungnahmen der Prüfer bezieht.

8. Widerspruchsbescheid

Ist der Widerspruchsbescheid schließlich eingetroffen, schicken wirIhnen diesen zu. Entweder freuen wir uns gemeinsam, da die Prüfungsanfechtung zum Erfolg geführt hat oder wir müssen darüber nachdenken, die Einwendungen klageweise durchzusetzen. Für diese Entscheidung haben wir einen Monat nach Zustellung des Widerspruchsbescheids.

Vom Einlegen des Widerspruchs bis zum Erhalt des Widerspruchsbescheids vergehen durchschnittlich drei Monate.

9. Klage – bei erfolgloser Prüfungsanfechtung

Wenn der Widerspruch keinen Erfolg gebracht hat, können Sie anhand unserer Einschätzung entscheiden, ob eine Klage gegen den Prüfungsbescheid und den Widerspruchsbescheid Sinn macht. Eine Klage kann durchaus zu einem anderen Ergebnis führen, da sich der offensichtliche Nachteil beim Überdenkungsverfahren darin begründet, dass sich die Prüfer der Erstbewertung Fehler eingestehen müssen. Das macht bekanntlich keiner gern. Insofern kann die Klage, wenn auch nicht in allen Fällen, eine weitere wirkliche Chance darstellen. Eine Klage hat den großen Nachteil, dass sie sehr zeitaufwendig ist und hier mit einer Verfahrensdauer von mindestens zwölf Monaten zu rechnen ist.

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