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„verdeckte” Korrektur von Prüfungsarbeiten im Überdenkungsverfahren?

Aus einer landesrechtlich vorgeschriebenen Verpflichtung zur „verdeckten” Korrektur von Prüfungsarbeiten ergibt sich kein Verbot der Kenntnisnahme eines Gutachtens des Mitprüfers im anschließenden Verfahren des „Überdenkens”. Vielmehr kann es nach Sinn und Zweck des Überdenkungsverfahrens geboten sein, den Prüfern auch die im ursprünglichen Bewertungsverfahren erstellten Gutachten zuzuleiten.

VGH Mannheim, Beschluß vom 22. 10. 2004 – 9 S 1976/04

Grundsatz der Chancengleichheit / Sachlichkeit / abweichende Zweitbewertung

1. Ein unangemessener Beurteilungsmaßstab kann wegen Verstoßes gegen das Gebot der Chancengleichheit zu einem Prüfungsmangel führen. (amtlicher Leitsatz)

2. Weicht bei einer landesweit einheitlichen Prüfung – hier Erste juristische Staatsprüfung – die Bestehensquote hinsichtlich eines Prüfungsortes signifikant von derjenigen anderer Prüfungsorte ab, so stellt dies für sich genommen keinen Verstoß gegen das Gebot der prüfungsrechtlichen Chancengleichheit dar. Erst wenn weitere Indizien für einen solchen Verstoß vorliegen, ist nach den Grundsätzen des Anscheinsbeweises die Prüfungsbehörde für die Einhaltung der Chancengleichheit beweispflichtig. (amtlicher Leitsatz)

3. Das Gebot der Sachlichkeit und inneren emotionalen Distanziertheit ist verletzt, wenn ein Prüfer zu erkennen gibt, dass er plausible Kritik an zahlreichen emotionalen, nicht allein sachbezogenen Äußerungen nicht als solche anzuerkennen in der Lage ist. (amtlicher Leitsatz)

4. Bei einer offenen Zweitbewertung, die eine Leistung abweichend von der Erstbewertung als „nicht bestanden“ betrachtet, reicht es nicht aus, auf den eigenen – abweichenden – Erwartungshorizont zu verweisen, sondern die Gründe, aus denen die Leistung durchschnittlichen Anforderungen nicht mehr entspricht, sind inhaltlich darzulegen.

VGH Mannheim: Urteil vom 10.11.2010 – 9 S 591/10

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